Rituale

Donnerstag, 22. März 2007

Adventgärtlein

Meine Tochter besucht den hiesigen Waldorfkindergarten, der schön im Stadtwald liegt.
Dort gibt es zu beginn des Advents den Brauch des Adventgärtleins.
Wir kamen im dunklen im Kindergarten an, es leuchteten nur Kerzen in der Eingangshalle.
Sie ging zu den anderen Kindern in die eine Gruppe, die Erwachsenen trafen sich in der anderen Gruppe, in der eien Spirale aus Tannengrün vorbereitet war in deren Mitte eine Kerze brannt rund um die Spirale standen auf fünfzackigen Sternen aus Goldpapier Äpfel mit einer Bienenwachskerze in der Mitte.
Die Kinder kamen im Gänsemarsch singend in die Gruppe und setzten sich um die Spirale
das Ganze wurde begleitet von den Klänegen einer Leierspielerin. Die Kindergärtnerin erzählte eine Geschichte und danach gingen zum Klang der Leier ein Kind nach dem anderen in die Spirale, nahm eine APfelkerze, zündete sie in der Mitte an und brachte sie wieder zurück auf ihren Platz in der Spirale. Es war ein wunderbares Bild unddie Armosphäre war so wunderbar ruhig und das bei über 20 Kindern, von denen gut die Hälfte gerade drei waren.
Dieses Ritual hat sich bei mir tief eingeprägt und ich freue mich schon auf das nächste Mal

Abendritual

Unser abendliches zubettgehen gestaltet sich immer ähnlich, so dass die Kinder sich darazf verlassen können, wissen, was folgt und zur Ruhe kommen. Nach dem Abendessen gehen wir ins Kinderzimmer die Schalfanzüge werden angezogen anschließend geht es ins Bad und wir putzen Zähne und waschen uns. Danach zünde ich im Wohnzimmer eine Kerze an und wir setzen uns hin. Dann wird gesungen, Lieder die zur Jahreszeit passen. Es gibt da ein sehr schönes von Detlef Jöcker 'Jahreszeitenlied'jede Strophe beschreibt eine Jahreszeit. Aktuell singen wir die Frühlingsstrophe:

Ich bin der Frühling, frisch fröhlich und keck,
ich feg den letzten Schnee hinweg....

erschienen ist es auf der CD 'Elefantis Liederwiese' im Menschenkinderverlag
danach folgt dann da bekannte Lied:

Blüht ein Blümlein, blüht ein Blümlein
blüht im Märzenwald,
kommt der helle, der helle Frühling,
kommt der Frühling bald.

Komm doch, lieber Frühling,
lieber Frühling, komm doch bald herbei,
jag den Winter, jag den Winter fort
und mach das Leben frei.

Scheint die Sonne, scheint die Sonne
In den Märzenwald,
kommt der helle, der helle Frühling,
kommt der Frühling bald.

Komm doch, lieber Frühling,
.....
Singt ein Vogel, singt ein Vogel
singt ein Vogel im Märzenwald,
kommt der helle, der helle Frühling,
kommt der Frühling bald.

Komm doch, lieber Frühling,
....

Und zum Schluss kommt jedes Mal die 'Jahresuhr' von R.Zuckowski

Januar; Februar, März ,April
Die Jahresuhr steht niemal still...

Ihr müsst entschuldigen, dass ich nicht die kompletten Texte aller Lieder hier veröffentliche, aber ich möchte keinen Ärger wegen des Copyrights bekommen

Anschließend wird die Kerze ausgepustet und mein Sohn flitzt schon vor und und legt sich ins Bett. Dann kuscheln wir alle zusammen und ich lese noch eine Geschichte vor, bevor die Kinder einschlafen.

Namensgebung

Zur Namensgebung meiner Tochter war ein Ritual geplant, zu dem auch die Familie eingeladen war. Für uns war es das erste Mal, das wir ein Ritual in einem festgelegten Ablauf zusammen feierten, da wir bislang unsere Sabbate immer aus dem Bauch heraus begangen hatten.
Die grobe Planung für dieses ganz besondere Fest lief übers Internet, da wir alle relativ weit auseinanderwohnen, nur die letzten Feinheiten wurden vorher durchgegangen. Besondere Probleme hatten wir mit der Anrufung der Elemente, fanden aber eine Lösung, mit der alle zufrieden waren. Auch die Schwüre der Paten wurden ausformuliert.
Beteiligt waren insgesamt vier Frauen, meine Tochter und ihr Vater und wir waren alle ziemlich nervös. Mein Lebensgefährte sollte zu Hause bleiben und die Gäste zu dem Platz im Wald führen, wo wir feiern wollten. Wir anderen gingen vorher los, um dort alles vorzubereiten.
Es ist für mich ein besonderer Platz, den wir ausgewählt haben, denn dort steht eine wunderschöne große Buche, die wohl vor vielen Jahren einen mächtigen Ast verloren hat und nun wächst dort Farn und ähnliches. Ich habe eine besondere Beziehung zu ihr und sie hat mich schon vieles gelehrt. Da sie direkt an einem Weg liegt und dort ausreichend Platz ist, war von Anfang an klar: Dort wird gefeiert!
mein-baum3
An dem Platz angekommen, begrüßten wir den Baum und machten uns erst einmal mit den Gegebenheiten vertraut um dann mit einem Kompass die Himmelsrichtungen auszumachen um dort die Symbole für das jeweilige Element zu dekorieren, sowie in der Mitte einen Altar zu errichten. Zudem führte eine der Frauen ein Reinigungsritual für den Platz durch, eine andere räucherte dazu mit Salbei und die Nächste reinigte und begrüßte jeden einzelnen von uns im Namen der Göttin.
Anschließend legten wir auf der Wiese nebenan aus weißen Kieselsteinen eine Spirale aus. Dann zogen wir uns um; wir hatten alle für dieses besondere Ritual Gewänder.
Wir gingen ein Stück zurück um dort die Gäste zu empfangen und gingen dann langsam trommelnd mit diesen zu dem Ritualplatz. Zu diesem Zeitpunkt erreichte meine Nervosität den Höhepunkt.
Dort angekommen begann eine der Frauen den Kreis zu ziehen und rief mit einfachen Worten die Mächte des Nordens an. Ich folgte mit dem Osten, dann kam der Süden und zum Schluß kam der Westen. Anschließend traten wir, die Eltern mit unserer Tochter auf dem Arm in die Mitte, wir standen uns gegenüber, trugen die Kleine gemeinsam und baten Göttin und Gott in den Kreis, es war ein unheimlich tolles Gefühl. Unsere Tochter fand das alles allerdings ziemlich zum Schreien und krallte sich in meinen Haaren fest, die sie auch bis zum Schluss nicht mehr los ließ. Nun traten die Paten dazu. Wir sprachen unsere Wünsche aus, als da waren :

- Nehmt euch Zeit für unsere Tochter, denn Zeit ist ein wichtiges Gut
- Seid Vermittler zwischen ihr und uns, wenn es notwendig ist
- unterstützt sie mit eurer Weisheit und eurem Wissen
- Zeigt ihr den Weg der Göttin, helft ihr dabei, dennoch offen zu bleiben und ihr in religiösen Dingen immer die freie Wahl zu lassen, das Urteilsvermögen zu stärken
- Seid für sie da in Notfällen

Nach jedem Wunsch antworteten beide gemeinsam. Dieser Wechselgesang war unheimlich machtvoll und wunderschön.
Wir lösten den Kreis auf und begannen das Kind jedem einzelnen förmlich vorzustellen, zuerst den Paten, und dann allen anderen und jeder begrüßte sie auf dieser Welt. Dies war für unsere Gäste ein ergreifender Augenblick, einige mussten mit den Tränen kämpfen. Diese ritualisierten Worte, immer wieder dasselbe ‚dies ist unsere Tochter’ zu jedem und von jedem ein Willkommensgruß zurück, damit war sie endgültig angekommen und aufgenommen.
Zum Abschluss baten wir jeden Gast sein Wunschsymbol in der Spirale niederzulegen, denn wir hatten auf Geschenke verzichtet, sondern wollten nur, dass jeder dem Kind etwas wünscht und dafür ein Symbol mitbringt, so z.B. ein Kleeblatt für Glück oder ein Samenkorn fürs Wachstum.

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